Durchtauchen
- katjamoi

- Feb 9
- 2 min read
Das ist der Text, der mein Anfang war.
In all der Zeit die ich schon schreibe war "Veröffentlichung" nicht auf meiner Agenda. Bis es zur Begegnung mit Steffi Jaksch und der Zusammenarbeit für ihren Strudel kam. Ich wollte einen intimen, intensiven und ehrlichen Essay schreiben und bin bereit ihn jetzt zu teilen.
In all der Zeit die ich schon schreibe war Deutsch nie die erste Sprache in der ich mich ausdrücken wollte. Auch das weiss ich jetzt mit Sicherheit , nachdem ich die Notizbücher meiner Jugend aufgearbeitet habe. Dieser Essay hat mich dazu gebracht, etwas Neues auszuprobieren, und ich erarbeite mir seitdem meinen wiedererlangten Zugang zur deutschen Sprache Silbe um Silbe, Wort um Wort, genauso langsam aber stetig wie ich mir Tauchen beigebracht habe. Luft anhalten, Augen zu, Kopf unter Wasser. Abstossen, und sich dem Element ganz hingeben.
Illustration S.R. Ayers
Durchtauchen
„Ich habe nur mehr drei Monate zu leben.”
Meine Mutter hatte im April 2024 ihre Lungenkrebsdiagnose bekommen und relativ schnell darauf begonnen, Familienmitgliedern und Bekannten zu erzählen, dass sie bald sterben würde.
Dabei deutete gar nichts darauf hin, ihr Karzinom war gut mit Tabletten behandel- und damit eindämmbar. Das sagte uns der berühmte Onkologe, den sie auf dem Tablet, das ich ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, gefunden und als ihren ärztlichen Beistand ausgesucht hatte. Meine Mutter hat nie eine einzige E-Mail aus der Nähe gesehen, aber Google konnte sie bedienen wie ein Profi und deshalb auch alle ihre Symptome ausführlich nachforschen.
Meine Mutter hat mit mir nie über ihre Gefühle gesprochen, und, das muss ich wohl gestehen, ich mit ihr über meine auch nicht. Daher war ich überrascht, als mich ihre Cousine weinend anrief und ins Telefon schluchzte, dass sie ja keine Ahnung gehabt hatte, wie schlecht es um meine Mutter bestellt war, und dass 75 ja viel zu früh war, um zu sterben. Waren sich die Ärzte sicher, dass der Krebs unheilbar war?
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