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Schauerlich & fantastisch. Mein Text-Output

Writer: katjamoi
katjamoi
Sep 2
6 min read

Ende August habe ich an einem Workshop des BÖS, dem Berufsverband Österreichischer SchreibpädagogInnen, teilgenommen. Ich bin ja beim eigenen Unterrichten keine besondere Freundin von Onlineformaten zur Wissensvermittlung, aber diese zwei Tage haben gut funktioniert, vor allem durch eine gekonnte Moderation der Vortragenden Britte Mühlbauer. Und vor allem das Thema hat mich begeistert: das Unheimliche, das Fantastische, das Angsteinflößende, das Wundersame. Für eine bekennende Vampir-Enthusiastin wie mich genau das Richtige!



Sechs Teilnehmende haben sich in diesem Workshop gemeinsam auf eine spannende Reise in die Welt des Gruseligen und Geheimnisvollen begeben. Wir haben fachlichen Input von Britta bekommen, uns über Texte von Autor:innen wie Franz Kafka, E.A. Poe und Jane Austen (nein, Johanna, ich mag sie immer noch nicht, nur Northanger Abbey) unterhalten, und ganz ganz viele tolle Texte produziert. Die Auseinandersetzung mit literarischen Beispielen hat uns dabei geholfen, die Besonderheiten und Konventionen dieser Genres besser zu verstehen, und wir haben natürlich fleissig gegenseitig gefeedbacked. Für mich persönlich war es eine bereichernde Erfahrung, etwas Neues auszuprobieren - die gemeinsame Arbeit war sehr inspirierend und produktiv.



Eine Auswahl meiner entstandenen Texte möchte ich hier gerne teilen - ich habe jeweils den "Angabetext" dazugestellt, damit man weiss, was für eine Aufgabe wir erfüllen wollten. Die KI hat dann noch die Bilder dazu entworfen.




WÖRTLICH GENOMMEN

  1. Metaphern (=bildliche Ausdrücke), Redewendungen, mehrdeutige Wörter zu Bereichen, die emotional besetzt sind, z.B.: Körper (Dickschädel, Schlüsselbein, Fußwurzelknochen, Wirbel, Pferdefuß, etwas hat einen schlechten Beigeschmack, jemandem das Herz brechen, etwas sitzt mir im Nacken, etwas geht mir an die Nieren, auf jemanden ein Auge werfen, mit den Augen verschlingen, jemandem schöne Augen machen, jemandem den Kopf verdrehen …) Tod, Sterben (der Sensenmann, die Radieschen von unten betrachten, den Löffel abgeben, in Frieden ruhen, entschlafen, …) Gewalt Liebe (jemandem die Fresse polieren, Ohrfeigen austeilen, eine Kopfnuss …) (Affenliebe, Liebesleben, liebenswürdig, Liebesentzug, Schmetterlinge im Bauch, auf Wolke 7 schweben, bis über beide Ohren verliebt sein, blind vor Liebe sein, liebeskrank, liebestrunken …) Familie Geld (Rabeneltern, Satansbraten, Erzeuger, Brut …) (Geld stinkt nicht, Kohle, Kröten, Mäuse, Flocken …)

  2. Wähle einen Ausdruck oder eine Redewendung aus. Nimm sie wörtlich und versetze das symbolisch gebrauchte Bild zurück in die Realität.

  3. Nutze diese Vorstellung als Ausgangspunkt für einen Text, in dem das Wunderbare als etwas Alltägliches behandelt wird.



“mit dem 71er fahren”


Ihm waren schon oft die Menschen aufgefallen, die am Schwarzenbergplatz bei der Haltestelle der Straßenbahnlinie 71 warteten. Meistens waren es ältere Personen, oft etwas gebückt, manche mit einer Gehhilfe oder sogar im Rollstuhl. Aber es waren auch ganz normale Erwachsene oder Kinder unter den Wartenden.


Seine Mutter hatte ihm auch schon als Kind eingeschärft bei der Station nicht stehenzubleiben, sondern zügig vorbeizugehen. “Nicht hinschauen, Georg!” hatte sie gezischt als er einmal geglaubt hatte die Frau Dvorzcak von der 2er Stiege in der Menschentraube zu sehen. Sie zog ihn weg, gegenüber zum D-Wagen, der sie nachhause zum Karl-Marx-Hof brachte.


Im Juli war es dann für seine Mutter soweit, sie hatte ihr letztes Wochenende damit verbracht, ihren Kasten zu ordnen und ihre Zimmerpflanzen an ihre Nachbarinnen zu verteilen. “Du brauchst mich nicht zur Haltestelle zu bringen” sagte sie. Georg bestand aber darauf. Er zog seinen einzigen Anzug an, brauchte viel zu lange um seine Krawatte zu binden und nahm seine Mutter, die ungeduldig bei der Wohnungstür wartete noch einmal in den Arm. “Jetzt komm, ich möchte noch der Trafikantin auf Wiedersehen sagen, ich hab das Gefühl dass sie auch bald den Fahrschein zugeschickt bekommen wird.”


Der Fahrschein der Mutter war vor ungefähr 3 Monaten gekommen in einem eingeschriebenen Brief der Stadt Wien. Georg, der zu diesem Zeitpunkt gerade keinen Job und daher Tagesfreizeit hatte, hatte dem Postler die Tür aufgemacht. “Der Fahrschein für Ihre werte Frau Mama wird hiermit zugestellt”, hatte der Mann im gelben Poloshirt, den Georg schon seit seiner Kindheit kannte, gesagt und ihm den Brief mit ausgestreckten Arm hingehalten. So als ob er ihn loswerden wollte. Dabei wurden die Postbeamten, das wusste Georg, für diese persönlichen Einschreiben extra entlohnt: sie mussten schließlich manchmal mit Unglauben, Beschwerden, ja sogar physischen Attacken umgehen, von all dem hatte er schon in der Zeitung gelesen. Georg quittierte die Übernahme und legte den Umschlag seiner Mutter auf den Kopfpolster.


Heute hatte die Mutter ihr bestes Kleid an und stellte die Lederhandtasche auf ihren Knien ab sobald sie sich im D-Wagen hingesetzt hatte. Der Umweg in die Trafik war sich dann doch nicht mehr ausgegangen, weil Georg ja so getrödelt hatte, tadelte sie. Die restliche Fahrt zum Schwarzenbergplatz verbrachten sie schweigend. Georg schaute aus dem Fenster .


Bei der Haltestelle angekommen ging die Mutter zügig Richtung 71er, während sie ihrem Sohn in einem fort Erledigungen auftrug: “Vergiss nicht, das Gefrierfach regelmäßig abzutauen. Dafür tust du entweder das Gefriergut vorübergehend in die Kühltasche, oder - wenn du es schaffst - kannst du auch alles aufessen. Aber wirklich regelmäßig! Spätestens alle 3 Monate, hörst du.” “Ja, Mutter.” “Und die Kellertür gehört mal wieder gestrichen, was sollen die Nachbarn denken. Schreib dir das auf.”


Noch war die Garnitur, die auf Mutters Fahrkarte ausgewiesen war als die, die sie nehmen sollte, noch nicht am Schwarzenbergplatz angekommen. Georg bemühte sich, mit seiner Mutter Schritt zu halten - sie war immer so pflichtbewusst gewesen, und wollte auch jetzt nicht zu spät kommen. Heute waren viele Menschen da, es hatte letztens auf der Südosttangente einen Unfall mit zwei vollbesetzten Reisebussen gegeben. Sie bahnten sich ihren Weg durch die Wartenden, da fuhr auch schon der 71er ein. Georg wusste dass seine Mutter versuchen würde, einen Sitzplatz für die ungefähr 30-minütige Fahrt zum Zentralfriedhof zu ergattern. Tor 12, die Endstation öffnete immer nur für die Strassenbahn - ab morgen würde er Tor 3 nehmen. Die Mutter redete weiterhin wie aufgezogen und war jetzt bei grundsätzlichen Ratschlägen angekommen: “Schau halt bitte dass du deinen Job zumindest länger behältst als ein halbes Jahr. Wenigstens diesen Wunsch könntest du deiner alten Mutter erfüllen.” “Ja, Mutter.” Georg hörte nur mehr mit einem halben Ohr zu, war verwundert dass er Tränen in den Augen hatte. Um sie herum verabschiedeten sich auch andere Menschen voneinander, mal mehr, mal weniger gefasst.


Die Türen der Strassenbahn öffnen sich. Ein letztes Mal die Mutter umarmen. Georg beugt sich zu ihr hinunter und breitet die Arme aus, da ertönt ein “Juuuuhuuuuuu!” von links. Die Mutter strahlt, “Schau, Schurli, die Trafikantin! Das ist ja eine nette Überraschung!” Sie dreht sich um und verschwindet in der Menge.


Auf der Heimfahrt im D-Wagen überlegt Georg ob es noch Fischstäbchen im Gefrierfach gibt, und ob er genug Bona-Öl hat, um sie sich zum Abendessen herauszubraten. Und wann er die Kellertür streichen wird.




FLASH FICTION

Denk an etwas oder jemanden, dem „ein Zauber innewohnt“ - Dinge, Personen, Tiere, die eine besondere Bedeutung haben, denen man Magie unterstellt oder eine Verbindung zu einer spirituellen Welt …


  • Alltagsgegenstände, an denen eine persönliche Erinnerung hängt - ein Erbstück, ein Geschenk, ein Foto, der Mann im Mond …

  • Objekte, deren Auftauchen man mit Glück oder Unglück verbindet - Kleeblatt, Rauchfangkehrer, schwarze Katze, Glückskeks …

  • Objekte, an denen Glaubenssätze hängen - ohne Kaffee kriege ich nichts auf die Reihe …


  1. Jemand sieht, entdeckt, findet oder benutzt dieses Objekt.

  2. LEERZEILE

  3. Kurze Zeit, ein paar Tage, ein Jahr, ein halbes Leben … später: Es geschieht etwas Schlimmes oder etwas sehr Erfreuliches. Berichte kurz und sachlich darüber. Sprich nicht aus, dass du einen Zusammenhang siehst. Überlass das den Leser:innen

 


Bull's Eye


Es ist Mitte August, wir sitzen in einer feuchtfröhlichen Mädelsrunde in der Prosecco Bar und feiern ein freudiges Ereignis im Leben meiner Freundin Barbara. “Was ist denn das?”, fragt sie als sie mein flaches Geschenk aus dem Seidenpapier wickelt.


Ihre Schwester Sabrina weiss sofort Bescheid: “Ein Traumfänger! Den hängst Du Dir übers Bett, oder ins Fenster.” Carina ergänzt: “Der bewahrt dich vor negativen Energien oder Albträumen.”


“Das besondere an diesem hier” erkläre ich, “ist, dass er aus Griechenland ist.” Ich streiche mit den Fingern über das Flechtwerk aus blauen und weissen Fäden. “Das Muster ist ein “mati”, das griechische Wort für Auge. Es schützt vor dem bösen Blick”.


Barbara deutet auf die Kette um meinen Hals. “So eines wie auf deinem Anhänger!”


“Genau” antworte ich. “Wenn jemand neidisch ist, oder dir was Schlechtes wünscht.”


Sabrina lacht laut auf und schaut Barbara an: “Wie deine Nachbarin auf der anderen Seite vom Hof! Der alten Schachtel sind deine Petunien so ein Dorn im Auge, die wuchern nämlich wie blöd, während ihre Pelargonien ganz mikrig ausschauen.”


“Häng den Traumfänger auf den Balkon, dann hast du keine Albträume”, rät Carina. “Die hab ich seit Donnerstag eh nicht mehr!” freut sich Barbara, und wir stossen auf sie an.





Am 27. August fällt ein vier Tonnen schweres Schrottteil einer SpaceX-Rakete auf einen Wohnkomplex in der Wiener Thaliastrasse. Das Gebäude wird komplett zerstört, nur die Stiege 1 bleibt unversehrt. Auf dem Balkon im 4. Stock blüht es rosa, rot und violett.      

                            

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